Es sind nun ein gutes Dutzend Jahre ins Land gegangen, seitdem sich im Zauberwald die Allianz Freier Denker gründete und wir haben lange nicht mehr von den Zwergen und Elfen gehört, die versuchen, in den Königreichen des Zauberwaldes mit an den Rädern des Schicksals zu drehen. Unsere alten Bekannten wie Steinchen, Berti Glück und wie sie alle hießen, sind mittlerweile von der Geschichte durch den Ausguß gespült worden und neue Gesichte beherrschen jetzt den Club.
Gerade erst hat sich zum Beispiel das Föderale Team Zauberwalden (FöTZen), quasi das Aufsichtsgremium aller in der Allianz Freier Denken versammelten Unterclubs der Zauberwaldkönigreiche, neu wählen lassen. Und die Wahl war auch ein großer Erfolg. Die beiden Präsidenten – ja, zwei Präsidenten; bei der Allianz Freier Denker ist es gute Tradition zwei Präsidenten zu haben. Es wird gesagt, dieses diene dazu, nicht zu große Macht auf eine Personen zu vereinen, in Wahrheit geht es aber mehr darum, sich in Krisenzeiten gegenseitig die Schuld zuschieben zu können – die beiden Präsidenten also konnten so gut wie alle Quertreiber aus den 16 Clubs der 16 Königreiche von Amt und Würden fernhalten und haben sich einige erlesene Abnicker dazu wählen lassen, um in Ruhe durchregieren zu können.
Wobei der eine Präsident Thorin Hoppsalla, ein immer leicht gereizter und etwas nuschelnder Zwergenschmied aus dem Königreich Sackzonia, bei dieser Wahl nicht gut aufgepasst hatte und es deswegen seiner Co-Präsidentin Wilma Hupen, einer niedere Sparkassenschalterangestellten der Gnomenvolksbank aus dem Gelbfußkönigreich, gelungen war, mehr Abnicker für sich wählen zu lassen und sie bei den FöTZen jetzt machen konnte, was sie wollte.
Leider unterlagen Wilma Hupen und ihre Abnicker angesichts dieses schönen und für die Zukunft recht angenehmen Setups aber einem verheerenden Irrtum. Dem Glauben nämlich, dass nun auch alle Clubpräsidenten aus allen Königreichen das tun müssten, was die FöTZen wollen. Und so rief Wilma Hupen ein paar Tage nach ihrer Wahl den Clubpräsidenten des Königreiches Vornrein-Hintenfinger, Wahnfried Winz, an, um dem mal klar anzusagen, wie das ihrer Meinung ab sofort im Club zu laufen hat: „Also hömma zu, Winzi, Ihr habt ja jetze Verteilungsversammlung für die Tröge da in eurem Pallament. Ich hab meinen Abnickern und Helferleins da bei euch versprochen, dass die auch anne Tröge kommen und du machst das gefälligst klar. Der Zwänne Hitschiss und der Joseph Wessels müssen da was kriegen jetze!“. Der Wahnfried fiel angesichts des Tones und des Ansinnens erstmal die Kinnlade herunter und es dauerte einen Moment, bis er sich gesammelt hatte. „Winzi? Hasse gehört? Bisse da?“ wollte sich Wilma Hupen noch vergewissern, aber da brach es schon aus Wahnfried Winz heraus: „Bisse eigentlich bekloppt, du dumme Kuh? Weißt du, wieviel Ärger uns diese beiden Penner hier schon gemacht haben? Und jetzt, wo wir endlich ne Chance haben, uns die vom Hals zu schaffen, soll ich meinen Leuten erzählen, daß wir die wählen sollen? Hast du Lack gesoffen? Biste versuchsweise geboren?“ und er schimpfte und schimpfte, bis die Wilma entnervt einfach auflegte.
Das hatte sie sich anders vorgestellt und war nun schwer beleidigt und sauer. Eine ihrer Kernkompetenzen oder besser ihre Kernkompetenz überhaupt war nämlich schwer beleidigt und sauer sein und so konnte sie mal so richtig einbringen. Ihre andere Kernkompetenz – in Urlaub fahren – schien in dieser Situation aber leider nicht anwendbar, was sie noch mehr beleidigte und noch saurer machte. Und sie dachte bei sich, na warte, mein Freund, dir wird ich die Flötentöne beibringen.
Und sie rief den Zwänne und den Joseph zu sich, um Kriegsrat zu halten. Außerdem sollte der Rechtsberater Janusz Kiepski dabei sein, ein ehemaliger polnischer Landarbeiter, der beim Spargelstechen in Niedersackzonia genug Geld zusammengestochen hatte, um sich ein juristisches Diplom von der Universität von Guadelajara zuzulegen und jetzt Wilma Hupen mit ihren HiWis in Rechtsfragen beriet. Natürlich hatte der Janusz soviel Ahnung von Paragraphen wie ein Biber vom Feuermachen, aber er konnte immerhin recht überzeugend so tun, als ob.
Und nun wollen wir uns einmal in das Clubhaus schleichen und schauen, was die FöTZen so machen…
(Fortsetzung folgt)